Mein Löwenherz

Kleines Herz ganz groß, unser Leben mit einem herzkranken Kind

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15.11.2016

Warum ausgerechnet mein Löwenbaby?

Diese Frage stellte ich mir bestimmt 1000-mal. Warum ausgerechnet wir? Warum mein Löwenbaby? Wie soll ich damit nur umgehen?

Nach der Geburt konnte ich keinerlei Gefühle zulassen außer Angst und Verzweiflung. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass wir wirklich wieder glücklich sein werden.
Zum einen hatte ich furchtbare Angst das Löwenbaby zu verlieren und zum anderen konnte ich es mir einfach nicht vorstellen wie es wohl sein mag, ein Leben mit einem herzkranken Kind.
Meine Lebensträume waren von jetzt auf gleich zerplatzt. Der Traum von einer gesunden Familie. Einfach das Familienleben was so viele haben. Das wird es bei uns niemals geben.
Da ich selbst aus dem medizinischen Bereich komme, war ich mir der Tragweite von Anfang an wahrscheinlich noch mehr bewusst als andere Eltern und das machte mir Angst.
Ich konnte es einfach nicht akzeptieren, haderte mit dem Schicksal und versuchte einen Schuldigen für diese Situation zu suchen. Wobei der Schuldige immer wieder ich selber war. Die Frage nach dem Warum hat mich wahnsinnig gemacht. Dazu hatte ich vielerlei Gedanken. Die Aussage der Ärzte, dass es eine Laune der Natur sei konnte ich so nicht hinnehmen. Mein erster Schuldgedanke war, dass ich mir eigentlich ein Mädchen “gewünscht” habe beziehungsweise es vorgezogen, wenn man es sich aussuchen könnte. Das hatte ich nun davon. Man wünscht sich kein Geschlecht. Man muss über jedes Wunder dankbar sein, dass einem geschenkt wird. Weitere Gedanken drehten sich darum, ob ich noch andere Vitamine in der Schwangerschaft hätte zu mir nehmen können. Ich versuchte mich zu erinnern, ob ich in der Vergangenheit einem anderen Menschen Schaden zugefügt habe und versuchte es mir so zu erklären. Letztendlich kam ich immer wieder zu der gleichen Aussage: ” Ich bin selber schuld!”.
Mittlerweile sehe ich es zum Glück anders. Als ich damals mit Melanie über meine Schuldgefühle und die Frage nach dem Warum sprach, schickte sie mir diese beiden Geschichten:

Geschichte Nr.1:

“Dieser Mutter gebe ich ein behindertes Kind”,sagte Gott.

Und der Engel fragt:”Warum gerade ihr, oh Herr?Sie ist doch so glücklich!”

“Eben deswegen”,sagte Gott lächelnd.
“Kann ich einem behinderten Kind eine Mutter geben ,die das lachen nicht kennt?Das wäre grausam.”

“Aber hat sie denn die nötige Geduld?”fragte der Engel.

“Ich will nicht das sie zuviel Geduld hat,sonst ertrinkt sie in einem Meer von Selbstmitleid und Verzweiflung.Wenn der anfängliche Schock und Zorn erst abgeklungen sind, wird sie es tadellos schaffen.Ich habe sie heute beobachtet.
Sie hat Sinn für Selbstständigkeit und Unabhängigkeit,die bei Müttern so selten und so nötig sind.
Verstehst du:das Kind das ich ihr schenken werde,wird in seiner eigenen Welt leben.
Und sie muss es zwingen, in der ihren zu leben,das wird nicht leicht werden.
-Nein,sie ist hervorragend geeignet.
Sie hat genügend Egoismus.”

Der Engel ringt nach Luft.

“Egoismus?Ist das denn eine Tugend?”

Gott nickt
…”Wenn sie sich nicht gelegentlich von den Kind trennen kann,wird sie das alles nicht überstehen.Diese Frau ist es,die ich mit einem nicht ganz vollkommenen Kind beschenken werde.Sie weiß es zwar noch nicht,aber sie ist zu beneiden.Nie wird sie ein gesprochenes Wort als etwas Selbstverständliches hinnehmen.Nie ist ein Schritt etwas alltägliches .Wenn ihr Kind zum ersten Mal Mama sagt,wird ihr klar sein,das sie ein Wunder erlebt.Ich werde ihr erlauben,alles deutlich zu erkennen,was ich auch erkenne-Unwissenheit,Grausamkeit,Vorurteile-und ich werde ihr erlauben,sich darüber zu erheben.Sie wird niemals allein sein.Ich werde bei ihr sein,jeden Tag ihres Lebens….”

Geschichte Nr. 2:

Wenn Sie ein Baby erwarten, dann ist das so ähnlich, als würden sie einen fabelhaften Urlaub planen – nach Italien. Sie kaufen einen Haufen Reiseführer und machen wundervolle Pläne. Das Kolosseum. Der David von Michelangelo. Die Gondeln in Venedig. Vielleicht lernen Sie ein paar nützliche Redewendungen auf Italienisch. Es ist alles sehr aufregend.
Nach Monaten freudiger Vorbereitungen ist der Tag schließlich da. Sie packen Ihre Koffer, und los geht’s. Ein paar Stunden später landet das Flugzeug. Die Flugbegleiterin kommt herein und sagt: Willkommen in Holland.
Holland, sagen Sie. Was meinen Sie mit Holland?? Ich habe Italien gebucht. Ich sollte in Italien sein. Mein ganzes Leben lang habe ich davon geträumt, nach Italien zu reisen.
Aber es hat eine Änderung des Flugplans gegeben. Sie sind in Holland gelandet, und dort müssen Sie bleiben.
Das Entscheidende ist, dass man Sie nicht an einen schrecklichen, widerwärtigen, ekligen Ort voller Hunger und Krankheit verfrachtet hat. Es ist einfach nur ein anderer Ort.
Also müssen Sie losziehen und neue Reiseführer kaufen. Und Sie müssen eine völlig neue Sprache lernen. Und Sie werden ganz andere Menschen treffen, denen Sie sonst nie begegnet wären. Es ist nur ein anderer Ort. Hier geht alles langsamer als in Italien, weniger aufregend. Aber wenn Sie dort erst einmal eine Weile gewesen und zu Atem gekommen sind, sehen Sie sich um… und Sie stellen fest, dass es in Holland Windmühlen gibt,… und in Holland gibt es Tulpen. In Holland gibt es sogar Rembrandts.
Doch all ihre Bekannten waren in Italien oder wollen dort hin, … und sie alle prahlen damit, was für eine tolle Zeit sie da hatten. Und bis ans Ende Ihres Lebens werden Sie sagen: Ja, dahin hatte ich auch gehen wollen. So hatte ich es geplant.
Und dieser Schmerz wird niemals, wirklich niemals vorübergehen… denn der Verlust dieses Traumes ist ein sehr, sehr schwerwiegender Verlust.
Aber… wenn Sie Ihr Leben damit verbringen, der Tatsache nachzutrauern, dass Sie nicht nach Italien gekommen sind, werden Sie niemals frei sein, die ganz speziellen, wunderschönen Dinge zu genießen,… die es in Holland gibt.
 
DSC_5059.jpg 
 
Beide Geschichten auf ihre Art und Weise halfen mir sehr zu lernen damit umzugehen. Unser Leben ist nicht vorbei. Unser Leben ist nur anders. Anders schön. Und diese grausame Zeit gehört zu unserem Leben dazu, sie ist ein Teil von uns. Aber das bedeutet nicht, dass wir nicht wieder glücklich werden können.
Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass es diese Gefühle überhaupt gibt, die ich durchlebt habe. Und vor Allem nicht, dass ich es schaffe sie zu ertragen. Ich habe häufig gedacht “Ich halte das nicht mehr aus, Ich kann nicht mehr” und doch ging es immer weiter. Irgendwie erschreckend aber auch positiv zu bewerten.
Unser Schicksal hat mich sehr geprägt. Zum einen werde ich das Erlebte niemals vergessen können, es wird mich immer begleiten. Aber ich bin unendlich stolz auf mein Löwenbaby und unsere kleine Familie, dass wir es ausgehalten haben. Ich sehe das Leben mit etwas anderen Augen. Selbstverständlichkeiten werden für mich immer einen besonderen Wert haben, ich denke das ist ein großer Gewinn.
Aber trotzdem habe ich Angst vor Allem was noch kommen mag. Ich bete, dass die schlimmste Zeit unseres Lebens vorbei ist.

Admin - 20:35:33 | Kommentar hinzufügen

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